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Wetzlar — Ort des islamischen Gebets
Iftâr-Empfang 5. Dezember 2001
Opferfestempfang 23. Januar 2005

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Grußwort zum Iftâr-Empfang
der muslimischen Schülerinnen und Schüler der August-Bebel-Schule Wetzlar


in der August-Bebel-Schule, Wetzlar-Niedergirmes, am 5. Dezember 2001



Sehr geehrter Herr Stadtrat Greis,
sehr geehrte Damen und Herren der Schulleitung und der gesamten Schule,
lieber Herr Kuruyüz,
liebe Schülerinnen und Schüler,

ich bedanke mich herzlich für die Einladung zu diesem Anlass. Ich freue mich darüber, dass ich bei diesem Iftâr-Empfang kurz zu Ihnen sprechen darf.

Am 30. Oktober 1961 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen. Das Abkommen mit der Türkischen Republik über die Anwerbung von Arbeitnehmern. Dass die Eltern und Großeltern der muslimischen Schülerinnen und Schüler dieser Schule heute hier sind, hat sicher in den meisten Fällen seinen Grund in diesem Abkommen. Es ist also auch der Hintergrund dafür, dass diese Schülerinnen und Schüler heute hier sind. Das Abkommen liegt nun vierzig Jahre zurück. In meinem eigenen Heimatland Nordrhein-Westfalen hat man den Anlass immerhin mit einem Festakt und einer Fernsehnacht begangen.

Auch in Wetzlar wird es also seit etwa vierzig Jahren so sein, dass hier Gruppen leben erst von muslimischen Männern, dann von Familien. Einzelne muslimische Freunde habe ich erzählen hören, dass sie tatsächlich auf etwa 35 Jahre in unserem Großraum Mittelhessen und Südwestfalen zurückblicken können.

Ich selbst lebe und arbeite im Raum Wetzlar gerade die Hälfte davon — 21 Jahre. Ich habe nicht die Kompetenz, über vierzig Jahre muslimisches Leben in Wetzlar zu sprechen.

Aber ich glaube, dass der heutige Abend ein Schritt auf dem Weg dieser vierzig Jahre ist.

Bestimmt ist an dieser Schule schon manches versucht worden und gelungen zur gemeinsamen Gestaltung von Anlässen. Aber heute lädt hier eine muslimische Gruppe außer der Schulgemeinde auch Stadt, Presse und Kirche zum schön gestalteten Empfang. Und das aus Anlass eines Festmonats im islamischen Leben, einer besonderen, für Muslime von Gott bestimmten Zeit.

Nach vierzig Jahren liegt es immer noch vor uns, dass wir muslimisches Leben und muslimische Gemeinschaften in und um Wetzlar überhaupt wahrnehmen. Dass sie einen Platz in der Presse haben. Dass die christlichen Gläubigen den muslimischen Glauben in ihrer nächsten Nachbarschaft wahrnehmen als eine Herausforderung und als eine Ermutigung, von Gott an uns gerichtet. Das liegt erst noch vor uns.

Vielleicht gilt ja für muslimische Gläubige Entsprechendes. Vielleicht haben sie nur manchmal die Entschlossenheit gewagt, an die Öffentlichkeit auch dieser Stadt zu treten. Vielleicht haben sie bei ihren Versuchen nur manchmal ermutigende Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist es ihnen darüber manchmal nicht leicht gefallen, diese Gesellschaft zu verstehen.

Muslime leben jetzt, solange nachts der Mond am Himmel sichtbar ist, im Monat Ramadan. In dem anderen Kalender, den wir alle benutzen, der sich aus christlichen und anderen Wurzeln speist, ist der Monat Dezember. In den Kirchen ist dieser Monat geprägt vom Advent. Von der Erwartung, dass Gott kommt, den wir durch Jesus Christus bekennen. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.

Alle Kirchen in Deutschland wählen gemeinsam für jeden Monat ein biblisches Wort aus. Ich glaube: In diesem Monat Dezember können Christen und Muslime das gewählte biblische Wort auch einmal gemeinsam hören. Es steht im 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Thessaloníki, Kapitel 3, Vers 3. Es ist eine Ermutigung, und sie lautet:

Der Herr ist treu; er wird euch Kraft geben und euch vor dem Bösen bewahren.

Wir sind vor dem Bösen erschrocken. Vor den menschlichen Möglichkeiten zum Bösen. Terrorismus hat die globale Weltgemeinschaft angegriffen. Er hat Schrecken gebracht. Er hat Menschen vieler Muttersprachen und vieler Glaubensgemeinschaften in den Tod und in das Leid gerissen.

Und er hat Folgen hervorgerufen. Bomben aus westlichen Ländern sind auf schon längst zerstörte und verelendete Städte und Häuser gefallen. In ihnen leben fast ausschließlich muslimische Menschen — oder sie lebten dort, bis sie starben. Auch der Konflikt um Israel und Palästina nimmt Ausmaße an, die wir kaum noch fassen können.

Und wir haben Sorgen vor den Folgen, die unsere Gesellschaft verändern können. Das Vertrauen ist erschüttert. Der verständliche Wunsch nach Sicherheit kann Nachbarschaft gefährden, die noch kaum begonnen hat. Angst und Misstrauen können lähmen.

Das biblische Wort geht davon aus: Gott ist treu. Gott bleibt in den Umbrüchen und schnellen Umschwüngen unserer Zeit derselbe. Glaubende Menschen finden im Vertrauen auf Gott Halt. Sie vertrauen auf eine Kraft, die vor dem Bösen bewahrt. Deshalb wünsche ich uns mit dem biblischen Wort, dass dieses Vertrauen die Lähmung verhindert. Dass es die Furcht überwindet, die sich breitmachen will. Ich wünsche uns, dass es offen macht zu Begegnungen, in denen niemand etwas verlieren muss.

Ich darf dies hier wünschen als Beauftragter des Kirchenkreises Wetzlar für das christlich-islamische Gespräch. Ich tue es gern auch für meinen Braunfelser Kollegen, Andreas Müller-Eidam. Und ich darf Ihnen herzliche Grüße ausrichten für die Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar mit den Superintendenten Roland Rust und Rainer Kunick. Auch in ihrem Namen wünsche ich Ihnen im Ramadan Segen und Frieden.

Danke schön.






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Grußwort zum Opferfestempfang und Tag der offenen Tür
der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen


auf dem Gelände des muslimischen Schlachtbetriebs Altınküpe in Aßlar-Werdorf am 23. Januar 2005



Lieber Herr Kuruyüz,
lieber Herr Altınküpe mit Familie und den Mitarbeitenden des Betriebs,
liebe muslimische Freundinnen und Freunde,
meine Damen und Herren,

am letzten Tag des Opferfestes wünsche ich Ihnen Gottes Segen zum Fest. Ich danke Ihnen für die Einladung, am Fest teilzuhaben. Es ist eine Einladung an die hiesige Bevölkerung, darunter auch insbesondere an die Christinnen und Christen und an die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden.

Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden sind hier anwesend. So wie Andreas Müller-Eidam für den Evangelischen Kirchenkreis Braunfels die Grüße von Superintendent Roland Rust überbracht hat, hat mich der benachbarte Kirchenkreis Wetzlar durch Superintendent Rainer Kunick gebeten, Ihnen auch seine Grüße auszusprechen. Das tue ich hiermit gerne.

Glaubensgemeinschaften feiern Feste, Christen wie Muslime. Im Fest erfahren wir gemeinschaftlich, was Gott uns schenkt. Wir lassen uns neu auf den Weg setzen, auf den er uns ruft. Das Opferfest ruft auf den Weg AbrahamsIbrahims. Als Christinnen und Christen zählen wir uns durch Jesus Christus zu den nachfolgenden Generationen, die das Andenken bewahren. Die auf seinem Weg gehen. Wir haben ja durch Herrn Ay die Rezitation der Sura gehört (as-Sâfât 37, 108).

Zu jedem Fest gehören Mahlzeiten. Für Sie beim Opferfest gilt das in besonderer Weise. Wo Tiere getötet werden, haben die Religionsgemeinschaften gemeinsam die Überzeugung, dass das Leiden eines Tieres unter Vermeidung jeder Art von Tierquälerei auf ein Minimum beschränkt werden muss (Bundesverfassungsgericht: Urteil des Ersten Senats vom 15. Januar 2002 — 1 BvR 1783/99). Die Religionsgemeinschaften, Christen und Muslime, achten die Aufgabe der staatlichen Ordnung, hier Regelungen zu treffen.

Islamische Länder kennen noch die Praxis: Wo man es durchführen kann, sucht die Familie das Tier zum Opferfest aus. Man kennt das Tier und will ursprünglich nicht die anonyme Massenschlachtung, die in Deutschland leider als das Normale gilt. Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen hat den Gläubigen empfohlen, beim Opferfest möglichst Tiere aus artgerechter Haltung zu schächten.

Das Wissen von der Nähe der Menschen zu den Mitgeschöpfen kommt am deutlichsten darin zum Ausdruck, dass der muslimische Schlachter vor der Tötung des Tieres nach der Weisung des Qur’ân den Namen Gottes anruft. Mensch und Tier haben das Leben von Gott. Es gehört ihm.

Bibel und Qur’ân sind sich darin einig: Für das Leben, das zurückgeht zu Gott, steht als Zeichen das ausfließende Blut des Tieres. Auch die Bibel warnt alle Völker davor, das Blut zu trinken oder zu verzehren. Sie hat ihren guten Grund dafür. Es ist eine Weisung, auf die Juden und Muslime sorgfältig achten.

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, dass wir durch die heutige Einladung zu Ihrem Fest lernen können. Wir werden an diese Fragen zum Leben erinnert.

Wir wünschen uns, dass dieser Schlachtbetrieb, der muslimische Schlachtbetrieb Altınküpe, in einer Atmosphäre des Vertrauens arbeiten kann — ohne Sorge um Bedrohung. So, wie wir das allen Betrieben wünschen. Wir wünschen uns, dass Muslime unter uns ihre Feste feiern können in guter Nachbarschaft und Begegnung zu den Festen der Christen und aller anderen.

Ich wünsche uns, dass dieser Nachmittag zu einem solchen Verhältnis des Vertrauens beiträgt. Und ich wünsche uns, dass der Nachmittag uns an Gottes Weisung und an das Geschenk seines Segens erinnert.

Vielen Dank.

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