Evangelische Kirche im Rheinland

Zum Israelsonntag 2001



Schreiben von Oberkirchenrat Wilfried Neusel

Kanzelabkündigung von Präses Manfred Kock



W. Neusel
Oberkirchenrat Wilfried Neusel

Nr. 18797 Az. III/12-16-1     11.07.2001



Brief des Präses an die Gemeinden, Kirchenkreise und Einrichtungen der Evangelischen Kirche im Rheinland zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag)

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

seit Monaten wird von vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Motiven nach einer Stellungnahme der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Konflikt zwischen dem Staat Israel und Palästina gefragt, nicht zuletzt, weil unsere Kirche eine profilierte theologische Position bezüglich der Existenz des Staates Israel vertritt.

Der Ausschuss "Christen und Juden" und unsere Abteilung "Ökumene, Mission, Religionen" haben sich mit den Anfragen und der Möglichkeit einer angemessenen Antwort darauf eingehend beschäftigt und sind zu folgendem Ergebnis gekommen:

Nicht nur wegen unserer theologisch begründeten Bindung an Israel, sondern auch wegen der deutschen Schuldgeschichte ist unsere Kirche hinsichtlich einer öffentlichen Kritik an der gegenwärtigen Regierung des Staates Israel in einer besonderen Situation und übt Zurückhaltung.

Der erneut ausgebrochene Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat eine einhundertundzwanzigjährige komplexe Geschichte, die eine angemessene Beurteilung der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten nicht einfach macht. Ausführliche Information ist nötig, um den mit der aktuellen Berichterstattung einhergehenden emotionalen Reaktionen begegnen zu können.

Mit einer öffentlichen Kritik der Regierung Sharon bzw. der Falken in der Palästinenserbewegung wird nach aller Erfahrung den Betroffenen nicht geholfen, Leid nicht ungeschehen gemacht.

Die Antwort unserer Kirche kann nur sein, sich um gründliche Information über den Konflikt, seine Ursachen und Folgen zu bemühen, antisemitischer Propaganda und der Leugnung des Existenzrechts des Staates Israel entgegenzutreten, wo immer möglich, konkrete, humanitäre Hilfe zu leisten und hier wie in Israel an vertrauensbildenden Initiativen mitzuwirken.

In diesem Sinne ist der beigefügte Brief unseres Präses an die Gemeinden, Kirchenkreise und Einrichtungen unserer Kirche zu verstehen.

Ich bitte Sie sehr herzlich, diesen Brief den Gemeinden und Einrichtungen in Ihren Kirchenkreisen rechtzeitig zukommen zu lassen mit der Maßgabe, ihn interessierten Gemeindegliedern nach Verlesung auch in Kopie zur Verfügung stellen zu lassen.

Informationsmaterial und Adressen für Begegnungen und briefliche Kontaktpflege werden von der Studienstelle "Christen und Juden" (Landespfarrerin Katja Kriener, Hans-Böckler-Str. 7, 40476 Düsseldorf) gern zur Verfügung gestellt.

Schließlich bitte ich Sie um Rückmeldung an unsere Abteilung über einschlägige Verlautbarungen, Veranstaltungen und Initiativen in Ihren Kirchenkreisen. Die Rückmeldungen sind eine wertvolle Hilfe für die weitere Arbeit der Studienstelle des Ausschusses "Christen und Juden" sowie unserer Abteilung.

Mit Dank für Ihre freundliche Hilfe und herzlichem Gruß



(Wilfried Neusel)

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M. Kock
DER PRÄSES


Kanzelabkündigung für den 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag)

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Liebe Schwestern und Brüder,

Judentum, Christentum und Islam berufen sich gemeinsam auf die Vaterschaft Abrahams. Der Segen Abrahams lautet:

„Segnen will ich, die dich segnen,
die dich lästern, verfluche ich.”
(Gen 12,3, Übers. Buber/Rosenzweig)

An dieser Segensverheißung gilt es feszuhalten; vor der Wirklichkeit des Fluches kann niemand die Augen verschließen.

Zum Israelsonntag werden viele die verzweifelte Situation in Israel und Palästina besonders schmerzlich empfinden. Darum bitte ich Sie, gerade angesichts der Nachrichten über Gewalt und Gegengewalt den Israelsonntag zum besonderen Gedenken zu nutzen.

Unsere Landeskirche hat seit 1980 einen Weg eingeschlagen, dem wir unbeirrt folgen wollen: Weil Gott Israel treu ist, dürfen wir Israel niemals wieder untreu werden. Unsere Treue zu Israel, dem Volk und dem Land, bewährt sich heute darin, dass wir alle Menschen, ob Juden, Christen oder Muslime, die auf Ausgleich setzen und dem Frieden nachjagen, jetzt nachdrücklich unterstützen in unseren Gebeten, durch Briefe, persönliche Begegnungen und materielle Hilfe. Unsere Fürbitte gilt besonders den Einzelnen und den Gruppen, die immer noch und nun erst recht den Frieden suchen, unter ihnen z. B. dem palästinensischen Organspender für einen kranken Israeli, dem israelischen Rechtsanwalt, der für das Recht eines palästinensischen Bauern eintritt, der Pädagogin, der jüdische und muslimische Kinder gleichermaßen am Herzen liegen.

Ich bitte Sie alle, Ihre Fürbitte für die Menschen in Israel und Palästina unermüdlich fortzusetzen und andere dazu einzuladen.

Außerdem weise ich auf folgende Möglichkeiten für Ihre Gruppen, Kreise und Gemeinden hin:

Verstärken Sie, wo immer möglich, Ihre Kontakte zu Einzelnen und zu Gemeinden, Gruppen und Initiativen in Israel und in Palästina.

Informieren Sie sich eingehend, um so in Ihren Gruppen, Einrichtungen und Gemeinden ein mögiichst faires Bild aller am Konflikt Beteiligten zu entwickeln.

Richten Sie Solidaritätsgruppen oder Arbeitskreise zur Nahostthematik ein und suchen Sie dabei den Kontakt z. B. mit Arbeitskreisen zum jüdisch-christlichen und solchen zum christlich-islamischen Dialog.

Laden Sie zu besonderen Gottesdiensten ein, in denen etwa nach dem Vorbild des „Politischen Nachtgebets” jeweils in einem Dreischritt vorgegangen werden könnte:

 

1.

Information möglichst von allen Betroffenen

 

2.

Meditation (Klage, Dank und Fürbitte)

 

3.

Aktion, indem Partnerschaften vermittelt oder vertieft und humanitäre Initiativen unterstützt werden


Zu den genannten Vorschlägen bietet Ihnen eine mit der „Studienstelle Christen und Juden” der Ev. Kirche im Rheinland verbundene Arbeitsgruppe Material und Hilfe an.

In der Hoffnung, dass der Segen Gottes alle Kinder Abrahams auf dem Weg des Friedens und der Gerechtigkeit zusammenbringen wird, grüße ich Sie herzlich.



(Manfred Kock)



Düsseldorf, 3. Juli 2001
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Die vorstehende Fassung gibt die mit dem Schreiben von Oberkirchenrat Wilfried Neusel vom 11.07.2001 versandten Vorlagen wieder.



Fotos: Evangelische Kirche im Rheinland


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